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Bilder 2010

Künstlerischer Dialog mit Veronique Bovet

Ein Gespräch mittels künstlerischem Schaffen

Véronique : Veronika

Die Bilder von Véronique Bovet, Fribourg, sprechen eine scheinbar schlichte, plakative Sprache. Formatfüllende, freundliche Porträts schauen den Betrachter an, stoisch und fragil zugleich – doch verlässt einen das Gefühl nicht, dass diese En-face-Gesichter auf eine Antwort warten.
Dieses Angebot des Dialogs hat die Künstlerin Veronika Kisling, Basel, im Frühling 2005 angenommen und spürt seither der Magie dieser Bilder mit ihrer eigenen Kreativität nach. Tief berührt hat sie die Polarität von Klarheit und Verletztsein, von der fast explodierenden Farbigkeit und der zugleich inneren Stille.
Véronique ist 33 Jahre alt, autistisch und spricht nur französisch; Veronika ist 45 Jahre alt, Mutter einer ebenfalls behinderten Tochter und spricht kaum französisch. Begegnung wie Gespräch finden und fanden fast ausschliesslich über das künstlerische Schaffen statt. Erfahrbar werden dadurch Erlebensebenen, die sonst im Erahnbaren bleiben. Veronika schildert, dass sie, als sie Véronique besuchte, wie in einen nach aussen gelegten Ich-Raum eintrat. «Ich spürte richtig stark, wie ihr innerster Kern das Atelier ausfüllte, ihr „Ich“ wirkte extrem anwesend.»
Und diese Kraft bahnt sich über das Malen einen Weg in die Sichtbarkeit.

Zuerst kam Veronika, trotz der Lebendigkeit der Bilder, das Maskenhafte entgegen. Sie tauchte ein in das Kopflastige dieser Porträts: Die viel zu grossen, nach vorne gerichteten Ohren sind oft über den Augen angesetzt, durch die Haarform oder den Kopfschmuck ist die Stirn überbetont, es bildet sich so etwas wie eine «ägyptische» Stimmung. Alle Sinnesorgane sind überdimensioniert, sind voll auf Empfang – es entsteht das Gefühl, dass sie sich am Wahrnehmen entzünden, daran wund werden. Die Starrheit bricht auf durch Schmerz. Und so begegnete Veronika zunächst einmal der Auseinandersetzung zwischen Tod und Leben.
Ein anderer Zugang öffnete sich über die Farbigkeit. Überrascht realisierte Veronika, wie sich in ihrem eigenen Schaffen ein Hörraum bildete. Die Musikalität, das Lauschen klang auf.
Die Ohren in Véroniques Bildern ragen ja immer auch stark in die Landschaft im Hintergrund, die selbst sehr bunt ist und sich wie aus den Wolken gesehen hinter dem Gesicht ausbreitet – die Dreidimensionalität zerrinnt, das Gefühl macht sich breit, einen Menschen gleichzeitig von oben wie von Angesicht zu Angesicht zu erleben. Dieser Umgang mit der Dreidimensionalität zeigt sich auch in den Schwarz-Weiss-Zeichnungen von Véronique, auch dort wirkt der Hintergrund, als handle es sich um durchfurchte Felder.
Anders hingegen ortet Veronika den Menschen; bei ihr trägt er die horizontale und vertikale Mittung in sich. Die Farben im Hintergrund sammeln sich zu Räumen, spiegeln Wirkens-, Gedanken- und Empfindungsraum.
Schliesslich fühlte sich Véronique in ihrer Malerei in den künstlerischen Ausdruck von Veronika ein. Dabei wurde sichtbar, wie viel mittlerweile geschehen war…, im Sehen, im Fragen und im Leben.

Konstanze Brefin Alt, Basel

(weiterer Text zum Dialog V. Bovet)

 

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